Proteisches Verhalten in Coronazeiten

Ingrid Zurkinden


Was passt besser, als das neue Jahr mit dem Sinnbild des greisen Propheten Proteus zu beginnen?


Unsicherheit und Unberechenbarkeit dominieren das aktuelle Zeitgeschehen. Da wären ein paar Zuversicht garantierende Weissagungen eines antiken Propheten mehr als willkommen. Doch der Meeresgott aus der griechischen Mythologie war nicht nur weise und gerissen, sondern er war auch eigennützig und bevorzugte, seine Robbenherde auf der Insel Pharos zu hüten, statt sein Wissen zu offenbaren. Den Fragenden entzog er sich, in dem er unterschiedliche Gestalten annahm, Löwen, Leoparden, Schlangen, Bäume aber gar in Elemente wie Feuer oder Wasser konnte er sich verwandeln.



Die Gewieften im Arbeitsleben lernten während der Coronapandemie schnell: Erfolgreich ist, wer sich anpasst, als hätten sie den Verwandlungskünstler Proteus zum Vorbild gehabt. In Windeseile wurden Schutzkonzepte erarbeitet, auf Homeoffice umgestellt und Sitzungen in virtuelle Räume verlegt. Manch einer fand aber zwischen neu auferlegten Regeln und Adaptionsprozess gleichzeitig auch Gefallen am Gedanken, sich bevorzugt um die eigene sinnbildliche Robbenherde zu kümmern und sich durch verschiedene Rollen unangenehmen Fragen und Stellungsnahmen zu entziehen. Gesundheit, Familie und Work-Life-Balance rückten in den Vordergrund und die Probleme des Arbeitsalltags wurden etwas mehr mit Distanz betrachtet. Die Umstände begünstigten im einen und anderen Fall ein gewisses proteisches Verhalten.


Stellen wir uns vor, dass schon bald so etwas wie ein Normalzustand nach oder mit Corona einkehren wird. Stellen wir uns weiter vor, eine postpandemische und proteisch geprägte Götterherde müsse sich wieder im normalen Arbeitsleben einfinden. Das verspricht kein reibungsloser Prozess zu werden. Jede Person bringt andere Erfahrungen und neue Gewohnheiten mit. Hinzu kommt, dass alte Konflikte während des ausserordentlichen Zustandes nicht in Luft aufgelöst wurden und jederzeit neu entflammen können.

Wer dem mythischen Proteus eine Weissagung entlocken wollte, musste ihn überlisten. Um von den Erfahrungen der sich wieder einfindenden Menschen im Arbeitsleben nach dem Ausnahmezustand zu profitieren und diese als Stärke zu nutzen, muss ebenfalls geschickt vorgehen.


Wir von entflechten.ch bieten zwar keine List an, aber wir helfen dabei, sich heute schon der Herausforderung anzunehmen, einen neuen normalen Arbeitsalltag aufzugleisen. Ein besonderes Augenmerk wird dabei dem ausführlichen Erfahrungsaustausch zwischen Teammitgliedern und Vorgesetzten gewidmet. Die Idee dahinter ist Konfliktprävention. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

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