Ingrid Zurkinden


In Tokio stehen seit einem Jahr transparente Toiletten. Die Wände werden erst durch Verriegelung undurchsichtig. Die Idee dahinter ist genial! Öffentliche Toiletten haben das Image, abstossend und übelriechend zu sein. Durch die clevere Innovation wird das stille Örtchen zu einem sauberen und angenehmen Lokal. Der kleine, subtile Hinweis der transparenten Wände hält die Menschen dazu an, sich anständig zu verhalten. Dies aus zwei Gründen: Erstens, zu einer Innovation trägt «man» Sorge und zweitens, wenn jeder sehen kann, wer das Örtchen benutzt hat, verhält man sich anständig.



Stilles, durchsichtiges Örtchen: Neue Toiletten im Yoyogi Hukamachi Mini Park in Tokio im August. (Foto: Hiro Komae/AP)


Genau solche Impulse, die zu besserem Verhalten führen, sind im Konfliktmanagement und in der Konfliktprävention gefragt. Sind wir ehrlich, auch Konflikte haben einen abstossenden, übelriechenden Ruf. Um diesem Ruf Paroli zu bieten, braucht es nicht immer eine Weltinnovation. Wir von entflechen.ch sammeln kleine, subtile Impulse, die im Endeffekt zu konstruktivem und anständigem Verhalten im Umgang mit schwierigen Situationen führen. Das Ziel ist, einen Konflikt erleichtert und mit gutem Gefühl zu verlassen, ähnlich wie bei den japanischen Toiletten.


Um auf ein kleines Beispiel in der Konfliktprävention einzugehen: In einer Firma wurden Ideen und Wünsche nur selten kommuniziert. In der Folge fühlten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht genug wertgeschätzt und das führte zu dicker Luft. Also stellt sich doch die Frage, wie dieses Problem mit kleinen Impulsen elegant angegangen werden könnte. Je nach Firmenkultur sind völlig andere Ideen gefragt. Richard Axelrod entwickelte zum Beispiel das «Meeting-Kanu». Dabei wird speziell darauf geachtet, die Teilnehmenden mit ihren Ideen und Wünschen explizit abzuholen und ihnen ein angenehmes, positives Umfeld in Sitzungen zu bieten. Mit der «Think-Pair-Share-Methode» werden Ideen erst alleine festgehalten, dann mit einer Person geteilt und zum Schluss dem Team an der nächsten Konferenz vorgestellt. Der Vorteil dabei ist, dass auch introvertierte Personen explizit eingeladen sind, ihre Ideen einzubringen. Etwas kreativer und extrovertierter geht es mit der «Laut-Denk-Wand» zu. Beim Eingang wird mit buntem Klebeband eine Zone markiert, an welcher Ideen und Wünsche der Mitarbeitenden sichtbar festgehalten werden können. Lassen Sie uns gemeinsam analysieren, welche kleinen Impulse bei Ihnen grosse Wirkung versprechen.